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Die Gedankeninsel

Ich mache mir gerne Gedanken – schöne Gedanken, kreative Gedanken … zu viele Gedanken. Doch ich schmiede gerne Pläne und finde es inspirierend, meine Gedanken auf Reisen zu schicken. In wilde, bunte Welten, fantastische Geschichten und spannende Projekte. Dabei spielt es (fast) keine Rolle, ob das Projekt zu meinem Business passt oder privater Natur ist. Die Gedanken kommen von ganz allein, verselbstständigen sich. So funktioniert Kreativität und nur so kommen mir die besten Ideen.

 

Doch genau so selbstständig, wie die Gedanken kommen, driften sie auch ab. Werden zu verqueren Gedankengängen, negativen Stimmen und komplexen Verstrickungen. Fast jeder kennt dieses Phänomen: das diffuse Eigenleben der Gedanken, die so sehr unsere Stimmung und Gefühle beeinflussen.

 

Ich schaffe es nicht!

Es ist zu schwer!

Es interessiert keinen!

Ich bin nicht gut genug!

 

Wie ungebetene Gäste stürmen sie die Gedankenfeste, erklimmen die Mauern und tun sich auf, das eben noch erreichte Selbstbewusstsein im Sturm zu erobern.

Und nun?

Zulassen? Kapitulieren?

NEIN!

Denn wenn es einen Vorteil an diesen Eroberern gibt, dann den, dass sie genau das sind: Ungebeten und unfreiwillig. Und das sollten wir uns zu Nutze machen, denn genau so, wie wir Pläne schmieden und Erinnerungsschätze hüten können, genauso können wir diese positive Kraft nutzen, um Zweifel und Ängste zu bekämpfen. Von innen heraus, aus vollem BEWUSSTSEIN und mit freiem WILLEN.

Geht nicht? Geht!

 

Wer die Serie ”Sherlock” kennt, dem sagt sicher der Gedächtnispalast etwas. Die These, das alles, was je gelernt, gesehen und gehört wurde – also jeder kleinste Gedanke –, sich in dem verzweigten Palast (ziemlich verzweigten Palast, wenn man an Sherlock denkt), befindet und nur wieder an die Oberfläche gezogen werden muss, wenn er benötigt wird.

Kurz: Es ist alles da, man muss es nur finden.

Gut, nun hat kaum einer von uns so einen Palast, geschweige denn die Gedächtniskapazität eines Sherlock Holmes' – aber vielleicht ist es bei uns ein Haus ... oder ein Leuchtturm.

Ich mag den Gedanken (da haben wir es wieder), dass es eine Insel ist. Eine kleine Insel mit einer felsigen Küste. Viele Wege führen über dieses Eiland hin zu einem Leuchtturm oder einem kleinen Haus, das meine Heimat ist. Der Ort, an dem ich mich wohlfühlen, wo ich Kraft tanken kann.

Es kennzeichnet aber auch mein Ziel, der Zustand, den ich erreichen möchte, ein Projekt, das ich schaffen möchte oder ein Höhepunkt meines beruflichen Weges. Und die Wege dahin sind wahrlich nicht schnurgerade, sie haben Kurven. Jede Menge Kurven und Anhöhen und führen durch Felsen und tiefe Wälder. Manchmal liegt dazwischen sogar eine sehr breite und sehr tiefe Kluft. Aber egal, wo ich gerade stehe, das Ziel ist immer da und zwar immer im Zentrum. Ich kann es gar nicht verfehlen. Ich kann rundherum laufen, ich kann einen schwierigeren Weg einschlagen, aber ich kann das Ziel nicht verfehlen.

 

Und was hat das mit den ungebeten Gedankengästen zu tun?

Ganz einfach: sie sind ein Teil davon. Auch sie gehören auf diese Insel, aber ich kann bestimmen, wieviel Freiraum ich Ihnen lasse. Die beste Lösung wäre wohl eine vorgelagerte Klippe, auf der all diese Ängste und Selbstzweifel einfach hingebracht werden. Quasi ein Alcatraz für Energieräuber. Aber dorthin bin ich noch nicht gelangt. Sie tummeln sich hier noch herum, hier auf meiner Insel, kreuzen meinen Weg und beeinflussen mein Handeln. ABER: ich versuche mich bewusst zu entschieden, nicht jedem dunklen Abschnitt meines Weges zu viel Beachtung zu schenken und mich auf das zu konzentrieren, was mir im Zentrum den Weg leuchtet.

Und wer weiß? Vielleicht steckt hinter einer Wegbiegung eine ganz neue Möglichkeit? Eine neue Idee? Vielleicht schlummert dort Kreativität und Inspiration, die nur gefunden werden will?

Denn auch das ist möglich und sogar wahrscheinlich. Wenn es nämlich einen Nachteil an dem BEWUSST-sein gibt, dann den, dass Kreativität da leider nicht immer ganz mitspielt. Sie ist das unabhängige Kind, das in den unmöglichsten Situationen um Aufmerksamkeit buhlt und nicht kommt, wenn wir es rufen. Dann heißt es abwarten. Sich an die Klippen setzen und den Blick schweifen lassen. Das Ziel vor Augen einfach mal schauen, was auf einen zukommt. Oder doch mal einen Umweg einschlagen und vielleicht auf etwas stoßen, das dem persönlichen Gipfel des Erfolgs neuen Aufwind gibt.

 

Die Gedanken sind frei – und sie sind auch frei, weiter zu ziehen.

 

 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Carolin (Freitag, 08 Juni 2018 21:10)

    Sehr schön geschrieben! Finde Deine Seite sehr schön. Tolle Illustrationen! Weiter so!

    Liebe Grüsse aus Göttingen �

    PS: Falls Du Lust hast, schau auch gern mal bei mir vorbei!
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