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BLAU

Es ist schon lange Zeit, dass ich über Farben, ihre Wirkung und ihr Wesen berichte. Denn nichts auf der Welt beeindruckt mich mehr, als die Fülle an Farbtönen, die unser Auge wahrnehmen kann. Dabei ist das Phänomen Farben-sehen so eindrucksvoll, wie widersprüchlich. Wusstest du zum Beispiel, dass Gegenstände, die wir in bestimmten Farbtönen sehen (z. B. eine blaue Blume) eigentlich genau die Farbe nicht hat, die wir wahrnehmen? Das liegt daran, dass die Oberfläche des Gegenstandes – in diesem Fall die Blume –, das Licht der Sonne (oder auch der Lampe) in all seinen Spektralfarben schluckt und nur Farben einer bestimmten Wellenlänge* absorbiert. In diesem Fall die Wellenlänge der Farbe Blau, die wir dann als Farbton der Blume erkennen. Also hat diese Blume folglich alle Farben in sich – außer Blau. Ist das nicht verrückt?

 

Wo wir gerade bei Blau sind: Ich mag Blau. Blau hat Tiefgang. Blau schafft Platz. Für Träume und Ideen, Gedanken und Erinnerungen. Es ist die beruhigende Einfachheit, das Unaufdringliche, dass uns in seine Weite einlädt. Blau ist die typische Business-Farbe, da sie nüchtern, sachlich und vertrauensvoll wirkt. Sie vermittelt allerdings auch nicht zu viel an Emotionen. Und während bei anderen Farben die Wirkung stark vom jeweiligen genauen Farbton abhängt – also z.B. wie hell ein Grünton ist –, behält Blau auch in unterschiedliche Abstufungen seinen Charakter bei. Dabei ist es fast unerheblich, ob es sich um ein tiefes dunkles Blau handelt, wie der Nachthimmel zur blauen Stunde, oder ein helles Himmelblau, das sich an einem warmen Frühlingstag über unseren Köpfen ausdehnt. Ja, schon: ein helles, junges Blau fast schüchtern, ein frisches, sattes Blau mutiger und ein reifes, dunkles Blau überzeugend und standhaft.Und dennoch erscheint es jedes Mal endlos. Grenzenlos und gewaltig, ohne sich aufzudrängen. Leise ist es, fast still. Vielleicht summt es ein wenig. Das Geräusch fliegender Insekten im Sommer ist genau so mit ihm verbunden, wie das Wippen der Kornblumen am Feldrand. Das leise Plätschern fröhlicher Wassertropfen, die ins Meer hüpfen oder das leise Kratzen der Feder, wenn sich sehnsuchtsvolle Worte auf das Papier ergießen. Blau ist allgegenwärtig, einnehmend und überwältigt doch nie.

 

Eine Farbe, die die Welt bewegt …

Es ist die Farbe, die die meisten Menschen am liebsten sehen, tragen und verwenden. Das war jedoch nicht immer so: In der Alt- und Jungsteinzeit  wurde diese Farbe eher weniger geschätzt (mit Ausnahme der Ägypter, die diese Farbe verehrten …) oder war in weiten Teilen der Welt kaum bekannt. Das lag unter anderem an der schweren oder kostspieligen Gewinnung des Farbtons aus mineralischem Gestein oder aufwendigen Prozeduren (siehe Indigo weiter unten).

Später, ab dem 12. Jahrhundert sollte sich das allerdings ändern. Farben – allem voran Blau – wurden als göttlich betrachtet. Maria tauchte auf Gemälden ab dem Mittelalter immer wieder in blauen Gewändern auf. Selbst die Herstellung der Farben war fast rituell: Sie verlangte ein extremes Maß an Sorgfalt, Geduld und Ehrfurcht. der Preis für ein solches Pigment schwang sich in schwindelerregende (oder göttliche?) Höhe und änderte sich erst, als die Pigmente im 19. Jahrhundert künstlich hergestellt werden konnten. Heute hat Blau die Welt erobert: Sie ist mit Abstand die meist genannte Lieblingsfarbe.**

 

Blau ist ehrlich (… und stank dennoch zum Himmel)

Menschen fühlen sich mit der Farbe Blau verbunden und wissen, dass sie sie nie verletzen wird. Denn Blau ist ehrlich und echt. Blau lässt uns Sorgen vergessen. Nicht umsonst ist man Blau, wenn man sich zu sehr berauschenden Genüssen hingegeben hat. Und so blauäugig ist in seinem Glauben, dass sich damit die Probleme ertränken lassen. Aber wir wissen selbst, dass das so nicht stimmt – spätestens am nächsten Tag, wenn der Schädel brummt und wir „Blau machen“. Wusstest du, dass dieses Sprichwort aus der Zeit der Tuchfärber stammt? Speziell ging es dabei um den "Blauen Montag". Die Färber legten nämlich die Stoffe, die sie färben wollten, am Sonntag in ein Färbebad, in dem die Farbe Indigo – hierzulande zumeist gewonnen aus Färberwaid (Isatis tinctoria) –, in das Gewebe einwirken sollte. Allerdings ist Indigo nicht wasserlöslich, sodass zum Färben der Stoffe ein Reduktionsmittel gebraucht wurde. Indigo wird also löslich, indem man ihm Sauerstoff entzieht. Die Lösung war so einfach, wie clever: Die Waidblätter wurden mit einer Urinbrühe übergossen, die in der Sonne gärte und Alkohol freisetzte (… sowie fürchterlich stank!) . Zur stärkeren Farbgewinnung, musste nur noch mehr Alkohol hinzugefügt werden. Allerdings kippte man den Alkohol nicht direkt in die Brühe, dazu war er zu schade. Man schlug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, indem man den Urin von Betrunkenen verwendete. Dafür wurde der Urin im Mittelalter auch vor Gasthäusern gesammelt.*** So erklärt sich auch die Redewendung, warum Alkohol Blau macht … Während das Gewebe – zunächst noch gelblich-grün –, nun an der Luft trocknete und durch die chemische Reaktion mit dem Sauerstoff langsam blau wurde, hatten die Färbergesellen tatsächlich nichts zu tun und sie „machten blau“.

 

 

Blaue Farbtöne

Neben Indigo gibt es so viele Varianten von Blau, das es schwerfällt, sich zu entscheiden, welche Nuance denn nun die Schönste ist. Um es kurz zu machen: keine davon. Oder vielmehr, sie sind alle wunderbar. Und damit auch du aus dem Vollen schöpfen kannst, wenn es um Blautöne geht, findest du hier ein paar Farbcodes als grobe Orientierung für das Auswählen von Farben am Computer (von links nach rechts):

 

Himmelblau: rgb(135,206,235) / #87CEEB / hsl(197,71%,73%)

Stahlblau: rgb(70,130,180) / #4682B4 / hsl(207,44%,49%)

Kornblumenblau: rgb(100,149,237) / #6495ed / hsl(219,79%,66%)

Mitternachtsblau: rgb(25,25,112) / #191970 / hsl(240,64%,27%)

(Ultramarin-)Blau: rgb(0,0,255) / #0000FF / hsl(240,100%,50%)

Dunkelblau: rgb(0,0,139) / #00008B / hsl(240,100%,27%)

Puderblau: rgb(176,224,230) / #b0E0E6 / hsl(187,52%,80%)

 

Außerdem habe ich ein paar Farbpaletten für dich, die eine tolle Inspiration sind. Harmonien für dein Zuhause, deine gemalten Bilder, deine Kleidung. Mit einem Klick auf das Bild, kannst du dir die Farbpaletten herunterspeichern (rechte Maustaste) oder am Ende der Seite als PDF downloaden. So sammelst du dir Stück für Stück deine Lieblingasfarben-Bibliothek. Und in vielen Fotobearbeitung- und Zeichenprogrammen kannst du dir die Farben auch mit der Farblpipette  auswählen und so für dich abspeichern. Entdecke die Farbe neu. Es gibt so viel mehr als „nur“ Blau.  …

 

 

Farbpalette, Blau, Himmel, See, ruhig, entspannt
Farbpalette, ruhig, Steine, Küste, Wasser, Wellen, Blau, Grau, Abendsonne
Farbpalette, Blau, Blaustern, Blume, Natur, Blüte

Farbpalette, Blau, Holz, Mauer, Terra
Farbpalette, Blau, Blaustern, Blume, Natur, Blüte
Farbpalette, ruhig, Schnecke, snail, Weiß, sanft

 

Ein wenig Psychologie

Blau hat im Allgemeinen eine kühle Wirkung auf uns. Dennoch überwiegen ihre vielen positiven Eigenschaften. Blau ist die Farbe, die Unendlichkeit und Weite vermittelt. Es ist die einzige Farbe, die weiter weg zu rücken scheint, wenn man sie betrachtet. Schon Goethe schrieb in seiner Farbenlehre: „Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht“****

 

Positive Wirkung: 

still, entspannend, vertrauensvoll, verlässlich, autoritär, stark, sehnsüchtig, seriös, positiv, sauber, frisch, erquickend, leicht, spirituell

 

Negative Wirkung: 

Kalt, unpersönlich, depressiv, langweilig, melancholisch

 


 

Mehr dazu?

(Beitrag enthält unbeauftragte Werbung / selbstgekauftes Buch) 

 

Wer sich noch eingehender mit der Magie dieser außergewöhnlichen Farbe beschäftigen möchte, wird ganze Bücher dazu finden. Eines davon ist BLAU – Wie die Schönheit in die Welt kommt, von Kai Kupferschmidt, erschienen bei Hoffmann & Campe. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass die Geschichte, Physik, Biologie und Chemie einer Farbe so eindrucksvoll und einfach erklärt. Der Autor stellt sich der Frage, warum Blau in unserer Welt so selten vorkommt und wieviel mehr Schönheit es zu entdecken gibt, wenn wir verstehen, was die Federn, Früchte, Blüten und Steine miteinander verbindet. So kurzweilig, dass man gar nicht anders kann, als tiefer in die Faszination BLAU einzutauchen. 

 

Auszug aus der Buchbeschreibung:

Blau ist selten. 

Dem widerspricht der Blick in den Himmel, doch schaut man sich genauer um, dann erkennen wir schnell: In der Tier- und Pflanzenwelt treffen wir selten auf Blau. Seit Menschengedenken sucht man nach einmaligen blauen Steinen und Farbstoffen, die Textilien, Porzellan oder Gemälde verwandelt. Denn Blau übt seit jeher eine magische Faszination auf uns aus. Sei es die Suche der Romantiker nach der blauen Blume oder die wundersame blaue Färbung von Vogelfedern. 

 

Steine, Pflanzen, Tiere oder der entrückte Blick aus dem Weltall auf unseren Blauen Planeten zeugen von unermesslicher Schönheit, die sich dann in unserem Sprechen und Schreiben widerspiegelt. Aber alles beginnt mit dem Licht und unserem Sehen.

 

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Gehörst du zu den unzähligen Menschen, die Blau lieben? Oder ist es eine andere Farbe, die dich fasziniert? Was interessiert dich? Was möchtest du wissen? Gefällt dir der Beitrag und wo darf ich das Thema Blau noch für dich vertiefen?

 

Ich freue mich auf dein Feedback, deine Wünsche und Kommentare …

 

Saskia


Hinweise:

* Blogbeitrag zur Wahrnehmung von Farben folgt …

 

Quellen:

** Die Welt der Farben, Kassia St Clair, erschienen bei TEMPO

*** wissen.de

****BLAU – Wie die Schönheit in die Welt kommt, von Kai Kupferschmidt, erschienen bei Hoffmann & Campe. 

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Colormoods_Blau.pdf
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