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Farbgefühl

Wenn es etwas gibt, das mich seit meiner Kindheit begleitet, dann sind es Farben. Helle, dunkle, leuchtende, gedeckte, schreiende, natürliche oder auch unspektakuläre Farben – ich habe sie gefühlt alle schon durch. Ob im Jugendzimmer, dem Kleiderschrank oder Omas großen Garten, der mich schon als kleines Mädchen beeindruckt hat. Farben gehören zu mir wie die Luft zum Atmen. Ich erkenne sie, scanne sie, mische sie, fange sie ein und fühle sie … auf der Leinwand, dem Papier mit dem Computer, der Kamera oder an der Wand (Freunde meinten bereits, ich solle Wandmaltester werden, so oft wie die Wände hier einen neuen Farbton erhalten ;-). Sie sind meine Inspiration und die Welt, in der ich mich auskenne und rundum wohl fühle.

 

Auch ich habe ihn natürlich versucht, den beruhigenden ZEN-Stil, die Schlichtheit von Weiß und Schwarz, dieser prägende Kontrast, der sich gefühlt durch alle Insta-Wohnungen zieht. Und auch bei mir herrscht tatsächlich diese Basis vor. Doch dann kommt immer wieder Farbe ins Spiel. Ich kann nicht anders und ich will es nicht anders. Das Leben ist nicht Schwarz-Weiß – es ist bunt!

 

Die Farbe gibt den Ton an!

 

Mein persönliches Gespür für Farben und Kontraste ist ein Teil von mir – ein ziemlich wichtiger sogar. Denn genau so, wie mich bestimmte Farben beim Kochen, Wohnen und Kleiden beeinflussen, sind sie es auch gewesen, die (in den meisten Fällen) die Richtung angaben, was gemalt und gezeichnet wurde. Gerade bei der Malerei war da erst ein leeres Blatt Papier oder eine Leinwand und dann war sie auf einmal da, die Lust auf Gelb, Rot oder Blau. Nicht das Motiv gab den Ausschlag zum Bild, sondern die Farbpalette, die meiner jeweiligen Stimmung entsprach und der Rest entwickelte sich (fast) von ganz alleine. (An dieser Stelle bin ich froh, das nicht Schwarz und Grau in meinen Arbeiten vorherrschen ;-)

 

Nun habe ich im Laufe der letzten Monate festgestellt, dass ich noch immer so vorgehe, wenn ich ein neues Werk, eine Illustration oder auch ein größeres Projekt plane. Zunächst unbewusst, versuche ich nun, dieses Gespür für Farbwirkungen und -harmonien gezielt für die Stimmung einer Illustration einzusetzen. Denn es ist nicht nur das Motiv alleine, das eine Geschichte erzählt, ein Charakter, der einen zum Schmunzeln bringt oder auch ein Logo, das etwas über das Produkt verrät – es sind die Farben, die bestimmte Assoziationen bei uns auslösen. Das ist bei jedem von uns so, unabhängig von favorisierten Farbtönen. Doch natürlich spielt auch beim Betrachter die jeweilige Grundstimmung zur Wahrnehmung bei – so wird das Kinderbuch zur Lieblingsgeschichte, weil sie so gute Laune macht, ein Poster zum beliebten Ruhepol an der Wand und die neue Schokolade im Regal zum absoluten Favorit, da uns die Verpackung so sehr anspricht. (Okay, die Schokolade muss schon schmecken, aber das ist ja meistens nicht so schwer…)

 

All das ist nicht neu … natürlich nicht. Im Bereich Kunst & Design haben Farben schon immer eine tragende Rolle gespielt – beeinflusst von Trends und gesellschaftlichen Entwicklungen. Doch der Ansatz für mich, beziehungsweise die Erkenntnis, wie ich ein Projekt aufbaue, zeigt mir, dass Farben für mich vielleicht den größten Anteil meiner kreativen Arbeit ausmachen.

Gerade im Zusammenhang  mit dem Entwickeln von Charakteren oder auch Logos ist eines der ersten Fragen für mich, in welcher Farbfamilie ich dies ansiedeln möchte und welche Farbharmonien vorherrschen? Kurz: welche Stimmung möchte ich erzeugen?

Natürlich übt auch der Wunsch oder die Vorlieben des Kunden einen Einfluss auf das Spektrum aus, doch das meiste entspringt dem inneren Impuls, mit Farben eine bestimmt Atmosphäre zu erschaffen.

 

 

Als kleines Beispiel zeige ich euch hier meine Brandfarben, die – selbstverständlich – auch auf meinen merkantilen Drucksachen, Postkarten (so wie unten abgebildet), sowie meinem Portfolio vorherrschen. Auch hier entstand erst die Idee eines Blumenmotivs – das Farbspektrum war ebenfalls klar … was dann genau gezeichnet wurde, entwickelte sich aus der Palette heraus: Pfingsrosen, Erdbeeren, goldene Tupfen …

 

 

Im oben genannten Beispiel ist der Aufbau des Projektes klar, da es sich um einen Teil meines Auftritts als Grafikerin und Illustratorin handelt, doch mir ist bewusst geworden, dass ich diese Art der Entwicklung auch weiterhin auf neue Arbeiten anwenden möchte – und es bereits tue.

Die Charakterzeichnung „Lakota“, die mehrere freie Illustrationen rund um einen Waschbär und seine Indianerfreundin beinhaltet, basiert auch auf einer festen Farbpalette, mit der ich die Geschichte der beiden unterstreichen möchte. 

 

 

Erdig und naturverbunden, fröhlich und frech, Himmel und Land …

Zunächst zufällig gewählt, wurde mir im Nachhinein klar, was diese Farbpalette aussagt. Freiheit, ist eines der Worte, die mir einfallen, wenn ich alleine die Farben betrachte. Frei und doch verbunden. Und ja, das ist genau das, was meine Idee von Lakota und Maja ausdrücken soll.

 

Welche Konsequenz ich daraus ziehe?

 

Dass mein Gefühl ein gutes, ein richtiges Gefühl war. Dass Farbe so viel mehr aussagt, als warm und kalt, pastellig oder knallig oder in oder out. Und, dass Farben von nun an eine (noch) größere Rolle in meinem Leben als Illustratorin und Grafik-Designerin einnehmen wird. Immer im Einklang mit meinen Kunden selbstverständlich – aber eben auch mit meinem inneren Farbkompass.


In meinem Instragram-Feed werde ich euch weiter mitnehmen auf meiner Reise nach Farbexplosionen, -experimenten und -verläufen. Ich möchte die Natur und meine Umwelt mit einfließen lassen, als Illustration, Foto oder Gedanken – alles zum jeweiligen (Farb-)Welt eines Charakters. Die Ideen sind da, es kann also losgehen …

 

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